BAUERcompact 03/2018

Schrobenhausen / Drolshagen – Als die BAUER Spezialtiefbau GmbH im Jahr 1998 Klemm Bohrtechnik erwarb, rieben sich viele verwundert die Augen. Die Sonderkonjunktur der Wieder- vereinigung hatte gerade rapide nachgelassen – dem Bohrgeräte- hersteller aus Drolshagen fehlte es an Anschlussaufträgen. Die inzwischen aufgebauten Kapazi- täten waren nicht mehr auszulas- ten, die Personalstärke musste an- gepasst werden. Auf der anderen Seite traf die Fernostkrise Bauer bis ins Mark, binnen Jahresfrist verlor man einen maßgeblichen Anteil am Maschinenumsatz, der die Gesamtbilanz empfindlich be- einträchtigte. Wie sich später her- ausstellte, sollten die Kritiker der Übernahme trotzdem nicht Recht behalten. Im Gegenteil: Es war genau jene strategische Entschei- dung kurz vor der Bauma 1998, die Klemm Bohrtechnik zurück auf den Erfolgsweg brachte. Der Name Klemm begleitete die bei Bauer entwickelten Verfahren schon seit den sechziger Jahren. 1963 gründete Günter Klemm seine eigene Bohrfirma und fei- erte bald international Erfolge. Da die herkömmliche Bohraus- rüstung seinen Ansprüchen nicht mehr gerecht wurde, begann er, eigenes Material zu fertigen – und informierte sich bei Karl- heinz Bauer über die Details zur neuen Ankerbohrtechnik. Das Unternehmen wandelte sich von der Bohrfirma zumHersteller von Bohrgeräten, -antrieben und -aus- rüstungen. Der Übergang vollzog sich ab Anfang der 1970er Jahre, als man den ersten Bohrwagen (Typ KB II), neue Bohrverfahren sowie erste Hydraulikhämmer mit Drehantrieb entwickelte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bau- er-Konstruktionsabteilung die Anforderungen an ein modernes Kelly-Pfahlbohrgerät bereits in Konstruktionspläne gefasst, 1976 wurde die erste Maschine gebaut. Nun stand viele Jahre später das Unternehmen Klemm, mittler- weile ein Teil des US-amerikani- schen Konzerns Ingersoll-Rand, zum Verkauf. Die BAUER Spe- zialtiefbau GmbH erwarb die Gesellschaft und ordnete die Geschäfte neu. Die Produkte er- hielten neue Bezeichnungen und es wurde strategisch entschieden, in Drolshagen den Vertrieb von Pfahlbohrgeräten und in Schro- benhausen den Vertrieb von Ankerbohrgeräten aufzugeben. Beim Zusammenschluss der bei- den ehemaligen Wettbewerber konnte sich nun jeder auf seine Stärke konzentrieren. Aus Eins und Eins waren tatsächlich Zwei geworden. Klemm Bohrtechnik firmierte zunächst als Zweigniederlas- sung der BAUER Spezialtiefbau GmbH, seit 2007 dann wieder als KLEMM Bohrtechnik GmbH. Wichtige, zum Teil weltweit bekannte Baustellen, auf denen Klemm-Bohrgeräte in den Jah- ren nach der Übernahme zum Einsatz kamen, waren unter an- derem der Ground Zero in New York und der Panamakanal. Aber auch beim Autobahnbau in Thailand oder beim Löschen von Kohlebränden in China war die Bohrtechnik aus dem Sauerland gefragt. Auch die internationale Vernet- zung und der globale Wettbe- werb wurden zunehmend ein Thema. Um von Wechselkurs- schwankungen unabhängig zu werden sowie mit Produktions- standorten in den großen Märk- ten bei den Kunden präsent zu sein, hatte man in der BAUER Gruppe Fertigungs- und Mon- tagewerke unter anderem in den USA und in China errichtet. Nach einer Trainingsphase für die US-amerikanischen Mecha- niker und Elektroniker wurde 2008 der erste Bausatz des Bohr- gerätes KR 806-3D nach Conroe geliefert und dort mit lokal ansäs- sigem Personal montiert. Ein wichtiger Meilenstein der Firmengeschichte stand im Jahr 2013 an, als Klemm auf ein hal- bes Jahrhundert Firmengeschich- te zurückblicken konnte. Dabei hatte sich das Unternehmen im Jubiläumsjahr vorgenommen, nicht nur zu feiern, sondern auch Bilanz zu ziehen. So hatte man im Rahmen der Vorbereitung des Jubiläumsevents auf dem eige- nen Werksgelände die Gelegen- heit des Rückblicks genutzt, die Marktpositionierung sowie die Marke Klemm über einen Mar- kenführungsprozess enger und genauer zu definieren. Heute arbeiten im Schnitt 245 Mitarbeiter bei KlemmBohrtech- nik. „Ihnen haben wir diese enor- me Weiterentwicklung zu ver- danken“, so Dr. Carl Hagemeyer, der seit 2005 zur Geschäftsfüh- rung gehört. „Dass aus der reinen Bohrfirma ein global aufgestellter Spezialist für die Entwicklung und Fertigung von robusten und leistungsstarken Bohrgeräten werden konnte, solch ein Prozess musste von engagierten Händen getragen werden.“ 03/2018 BAUER compact Seite 2 ERFOLGREICHE ENTWICKLUNG Geschäftsführung der Klemm Bohrtechnik: (v.l.) Georg Stahl, Dr. Carl Hagemeyer und Roy Rathner. 20 Jahre Klemm Bohrtechnik in der BAUER Gruppe Klemm-Geräte sind auf der ganzen Welt im Einsatz – im Bild ein KR 806-3GAnkerbohrgerät in Ulm. Klemm Bohrtechnik hat seinen Sitz in Drolshagen im Sauerland. Heute arbeiten hier etwa 245 Mitarbeiter.

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